Historie der Kunstmühle

Im nördlichen Harzvorland liegt die Ortschaft Veckenstedt.
Im historischen Ortskern, nahe Kirche und Heimatmuseum, befindet sich das Mühlenanwesen, 1884 von Oskar und Martha Klein erbaut.

Der Name „Kunstmühle Veckenstedt“ ist bereits früh belegt.
Er verweist auf die Phase der Technisierung des Mahlens – und markiert einen Übergang vom handwerklichen zum gestalteten Prozess.

Während des Zweiten Weltkriegs übernahmen zeitweise zwei Turbinen die Stromversorgung des Dorfes.
1963 ging die Mühle in staatlichen Besitz der DDR über und blieb über Jahrzehnte ein Ort von Arbeit und Ausbildung.

Das Wohngebäude blieb im Besitz der Familie und wurde 1993 an die Künstlerin Edda Grossman übergeben.

 

Aunt Gerda brachte den Künstlern die Hühnerhaltung fliegender Zwerg-Italiener bei, die lieber frisch gesetzte Tulpenzwiebeln ausscharrten, als Frühstückseier legten. Sie lehrte die Künstlerfamilie eigene Hausschlachtung, backte süße Jägerschnitten und brachte im Korb ihre Klößchensuppe vorbei.

Frau K. stürzte beim Aufräumen und Entrümpeln der Gerätschaften in der Trecker-Garage durch die Deckenbalken – mit einem Aufschrei blieb sie, Gott sei Dank, zwischen den Balken hängen.


Der riesige Kleiderschrank blieb im Treppenhaus stecken – zu schade, um ihn zu verheizen, zu braun, um damit zu leben. So entstand Edda Grossmans Möbelmalerei, die den Schrank und weitere Schabracken des Hauses umfasste.

Kübelweise wurde der Dachboden von Mäusekütteln, Papieren und Mühlenstaub befreit – unter staubkornallergischen Anfällen. Eine vierzigjährige Mühlenepoche verwandelte sich in ein Atelier.

1995 wurde das angrenzende Mühlengebäude erworben – viel Platz, viel Arbeit für zwei Maler mit zwei Kindern, zwei Ponys, einem Ziegenbock und einem einjährigen weißen Lamahengst namens Pedro.

Für den jungen Hengst wurde ein Stück Wiese auf dem „Thie“, dem ältesten Fleck Veckenstedts, gepachtet.

 

Stierschrank 1996 für Felix und Mauritz

Als er begann, sich außerhalb jeder Ordnung zu gebärden, musste er zurück in die Herde. Selbst der ansässige Tierarzt wusste keinen Rat mehr, der Pubertät Einhalt zu gebieten.

Lamazüchter belehrten uns, dass Hengstfohlen drei Jahre in der Herde bleiben sollten, um zahm zu werden.

Eine engagierte Freundesgemeinschaft und viele Nachbarn halfen, die Säle und ehemaligen „Gesinderäume“ Stück für Stück in großzügige, lichtvolle und der Öffentlichkeit zugängliche Räume zu verwandeln.

Das Motto „Veckenstedt, wo sich die Welt trifft“, nach Karl Oppermanns Poststempel, bewahrheitete sich, als die Räumlichkeiten von Tangotänzern entdeckt wurden. Seitdem entstehen hier Begegnungen im Tanz und in der Bewegung.


Das Wort „Kunstmühle“ erklärt sich so:
Zuvor wurde das Getreide auf Steinen gemahlen. Später wurden diese durch Mahlwalzen aus Eisen oder Stahl ersetzt.

Die Stahlwalzenmüller waren „Kunstmüller“ in dem Sinne, dass die Mahlwalze ein künstlich erzeugtes Produkt ist – im Gegensatz zu den Mühlsteinen natürlichen Ursprungs.

Der historische Begriff „Kunstmühle“, entstanden im 19. Jahrhundert in der Phase der Technisierung der Mahlverfahren, hat in Veckenstedt eine kulturelle Bedeutung gefunden.


Dem Volkslied „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach“ gleich suchen manche das nostalgische Wasserrad –

und entdecken dabei etwas anderes:
Klang, Bewegung und die Möglichkeit, sich selbst im Tanz zu erfahren.

Unterschiedliche künstlerische Ausdrucksformen verbinden sich hier.
Die Kunstmühle ist ein Ort der Begegnung zwischen Mensch und Kunst.

 

Impressions